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Schimmelpilz - Kulturen, die
nicht untergehen
| Besonders gefährlich
wird's, wenn sie zu sehen sind: Die Verbindung von Wärme
und Feuchtigkeit beeinflusst ihr Wachstum äußerst
positiv, es entstehen größere Pilzgeflechte, die sich
explosionsartig weiter vermehren. |
Sie hinterlassen an Wänden große Flecken, oft sehr farbenfroh,
aber trotzdem bestimmt kein Grund zur Freude. Nährboden für
Schimmelpilzkulturen liefern organische Stoffe, die fast überall
vorkommen, in der Erde, im Holz, in Staubkörnern, sogar in
Kunststoffen. Trotz pilzabtötender (fungizider) Substanzen
machen sich die Myzel, so heißen die Pilze, vornehmlich in
dauerfeuchten Ecken breit; an Duschvorhängen aus Plastik oder
auf dauerelastischen Fugen an Duschen oder Badewannen. Die
Pilzkulturen wachsen nicht nur an der Oberfläche, sondern sie
durchdringen das gesamte Material. Gegen normales Abwischen sind
die enorm widerstandsfähigen Sporen auch bei frischem Befall
immun.
Hier helfen in der Regel aber die handelsüblichen
»Antischimmelmittel«. Wie der Schimmel sind auch sie
größtenteils gesundheitsschädlich, werden jedoch im Allgemeinen
als das kleinere Übel betrachtet. Ist der Befall älter, sind die
Pilze schon tief in die Materie eingedrungen und haben mit der
Zerstörung von Anstrichen, Tapeten oder Putz begonnen. Die
Einschätzung der erforderlichen Sanierungsmaßnahmen sollte einem
Experten, die Durchführung einem erfahrenen Fachbetrieb
überlassen werden. Auf alle Fälle müssen stark befallene
Materialien entfernt und der Untergrund desinfiziert werden.
Alte Vorteile, neue Schwierigkeiten
| Aber nicht nur die
Wirkungen, vor allem die Ursachen des Pilzbefalls gilt
es zu beseitigen: Die Feuchtigkeit von Bauteilen. Warum
das auch heute noch schwierig ist, zeigt am besten ein
Vergleich mit der Bautechnik von gestern. Die früher
verwendeten Baustoffe wie Ton, Lehm oder Holz wiesen
hinsichtlich der Dampfdiffusion und
Wasserdampfaufnahmevermögen deutlich günstigere
Eigenschaften auf als neuere Baumaterialien wie z.B.
Beton, Polystyrol etc. Die hohen Kunststoffbeimengungen
in Dispersionsfarbanstrichen und Tapeten schränken die
Feuchtigkeitsregulierung bei Wandoberflächen ein, im
Gegensatz zu früher verwendeten Werkstoffen wie Kalk-,
Kreide- oder Leimfarben. |
Beim Thema Fenster bzw. Verglasung zeigt sich zwar, dass doppelt
besser hält, doch leider hält man so auch das Wasser länger im
Raum. An der Einfachverglasung früherer Bauart sind die
niedrigsten Temperaturen in der gesamten Außenwandfläche
festzustellen, wodurch der Raumluft über das Beschlagen der
Scheiben selbstständig Feuchtigkeit entzogen wird. Außerdem
signalisieren die undurchsichtigen Scheiben den Bewohnern, dass
wieder mal gelüftet werden sollte. Das anfallende Tauwasser wird
je nach Fensterkonstruktion in einer Rinne im Fensterbrett
aufgefangen und entweder über ein Röhrchen nach außen abgeleitet
oder sogar in Auffangbehältern (»Wasserschubladen«) gesammelt.
| Die heutigen
Isolierverglasungen stellen speziell im Altbau nicht
mehr die kältesten Temperaturzonen dar. Viele
Wandbereiche sind viel kälter - und daher eher feucht
und schimmelpilzgefährdet. Bei geschlossenen alten
Fenstern ist ein »automatischer« Luftaustausch durch die
wesentlich weniger dichten Fugen zwischen Rahmen und
Flügeln gewährleistet. Neue Modelle sind hermetisch
dicht, der Ausgleich fehlt dadurch. Außerdem wird hier
zu häufig die »Kippfunktion« der Fenster genutzt, weil
sie nach innen aufgehen und zur ganzseitigen Öffnung
erst die Fensterbank leer geräumt werden muss. Die
Folgen sind Energieverschwendung und Feuchtigkeit. Wir
wollen hier nicht den Verdacht aufkommen lassen, der
Nostalgie das Wort zu reden, sondern einige kritische
Punkte benennen, die sich aus neuen Entwicklungen in der
Bautechnik ergeben haben. Natürlich gibt es auch eine
Menge Vorteile: |
- Neuartige Baustoffe lassen sich
besser, schneller und kostengünstiger verarbeiten.
- Neuartige Anstriche sind einfacher
herzustellen, besser zu verarbeiten und ermöglichen eine
größere Produktpalette.
- Neue Fenster bringen mehr Licht und
weniger Heizenergieverluste.
Der Wohn- bzw. Lebensstandard ist erheblich gestiegen. Toiletten
und Badezimmer in der Wohnung, Wasch- und Spülmaschinen, und
mehrere Wasseranschlüsse sind heute selbstverständlich. Mehr
Wasser bringt selbstverständlich mehr Wasserdampf mit sich. Die
Gefahren einer ungesunden Durchfeuchtung sind also beinahe
unbemerkt erheblich gestiegen. Darum gilt es, hier den Anfängen
zu wehren: genau zu prüfen, ob richtiges Heizen und Lüften
genügt, um bauphysikalische Schwachstellen auszugleichen, oder
ob die Innenkondensation mit weitergehenden Maßnahmen, zum
Beispiel modernen Abdichtungs- und Ausbausystemen, bekämpft
werden muss. |
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